Schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Region rund um den Nollendorfplatz für LSBT* ein vielfältiger und für sein Nachtleben bekannter Ort – weit über die Stadtgrenzen hinaus. Heute ist das Gebiet als Regenbogenkiez bekannt, markiert mit der regenbogenfarbenen Kuppelbeleuchtung des U-Bahnhofes Nollendorfplatz. Der Regenbogenkiez erstreckt sich zwischen Nollendorfplatz, Winterfeldplatz, Viktoria-Luise-Platz und Wittenbergplatz. Der Kiez ist der älteste seiner Art weltweit. Es ist vor allem der privaten Initiative und dem Engagement vieler Menschen zu verdanken, dass der Kiez nach der Nazidiktatur wieder erwacht ist und auch die strafrechtliche Verfolgung in der Bundesrepublik überstanden hat. Der Regenbogenkiez übt für viele große Anziehungskraft aus – nicht nur für Anwohnende, sondern auch für Berliner*innen und Tourist*innen. Deshalb bekommt der Regenbogenkiez jetzt einen eigenen Info-Punkt.

Anlässlich seiner 2011 organisierten internationalen Zukunftskonferenz zu Regenbogenkiezen hatte MANEO einen Info-Punkt für den Schöneberger Regenbogenkiez gefordert, der als Orientierungspunkt für Interessierte, Gäste, Tourist*innen und für Anwohnende dient. Ein wichtiges Anliegen dabei war immer, den Regenbogenkiez in seiner Bedeutung für Berlin sichtbar zu machen, die Kommunikation unter Akteur*innen zu verbessern, zu vernetzen und für die Belange des Kiezes einzutreten. Diesen Info-Punkt schafft das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und beauftragt mit der Koordination MANEO, einen seit 30 Jahren aktiven und engagierten Akteur im Regenbogenkiez. Der nun neu geschaffene Info-Punkt wird Anfang März seinen Platz auf dem Bürgerplatz Eisenacher Straße Ecke Fuggerstraße beziehen. Dafür stellt der Bezirk ein ,Tiny House’ zur Verfügung, welches im Auftrag von visitBerlin für die Berliner Bezirke gebaut und bereitgestellt wurde.

Kommunikationsort für alle

Im Regenbogenkiez begegnen sich Gäste und Touristen sowie Menschen, die hier leben und hier arbeiten. Für viele ist diese Vielfalt selbstverständlich. Doch es bleibt nicht aus, dass gerade weil so viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Vorstellungen und Erfahrungen aufeinandertreffen hier auch Reibungen und Konflikte entstehen. Deshalb bietet sich der Info-Punkt auch Anwohnenden an, ihre Hinweise, Fragen und Anregungen aufzunehmen. Der Info-Punkt soll helfen, Anwohnende und Menschen, die sich im Kiez zu Hause fühlen, miteinander ins Gespräch zu bringen, miteinander zu vernetzen und für Engagement zu gewinnen. Es sollen außerdem Kommunikationswege in Bezirk, Verwaltung und Politik geöffnet, bereits bestehenden Kommunikationswege weiter ausgebaut werden.

Touristeninformation

Mit dem Info-Punkt sollen mehr Informationen über den lebendigen Regenbogenkiez zur Verfügung gestellt werden. Informiert werden soll über die vielfältigen Angebote, die der Regenbogenkiez bietet, um sie kennen zu lernen oder weiter zu kommunizieren. Dazu gehören nicht nur LSBT*-Veranstaltungen, sondern auch historische Orte. Darüber hinaus verbindet und vernetzt der Info-Punkt touristische Angebote der Stadt, sowohl das vielfältige LSBT*-Szeneleben als auch weitere interessante und sehenswürdige Veranstaltungen und Orte, die Berlin bietet.

Der Info-Punkt unterstützt die Kommunikation mit Gästen und Touristen im Kiez. Einrichtungen und Orten, die mehr über den Regenbogenkiez erfahren wollen, werden darüber hinaus vernetzt. Dazu zählen die mehr als 30 Hotels, die in direkter Nachbarschaft zum Regenbogenkiez liegen, sowie viele weitere Adressen, die Touristen und Interessierte erreichen. Gefördert von der geschichtlichen Aufarbeitung des Regenbogenkiezes durch MANEO kommen schon jetzt mehr Besuchergruppen zu Rundgängen in den Kiez, um die Geschichte und bedeutende Orte kennen zu lernen.

Der Info-Punkt im Regenbogenkiez: Organisation und Koordination

Im Info-Punkt hat MANEO mit seinem Team Nachtbürgermeister einen festen Platz. Organisiert wird das ‚Tiny-House‘ vom „Koordinator Info-Punkt“, der zum Team Nachtbürgermeister gehört. Das Team Nachtbürgermeister hat bei MANEO am Nollendorfplatz sein festes Büro. Hier ist das Team erreichbar und hier laufen die Fäden zusammen. Von hier aus wird das Team sich den Themen annehmen und da, wo es erforderlich wird, zwischen Anliegen, Akteur*innen und zuständigen Stellen vermitteln.

Im Info-Punkt schafft MANEO anfänglich täglich zwischen 17 und 19 Uhr eine feste Sprechzeit für alle im Kiez. Mitarbeiter*innen werden aktiv dazu beitragen, den Info-Punkt im Kiez zu bewerben. Die Sprechzeiten des Info-Punktes soll sukzessiv erweitert werden.

Nachtlichter

In den Nächten von Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag sowie vor Feier- und Brückentagen wird der Info-Punkt zusätzlich in den Zeiten von 22 bis 4 Uhr von den Nachtlichtern belebt. Die Nachtlichter, die von der Firma „SI hoch 3“ organisiert werden, werden zu diesen Zeiten sowohl am Info-Punkt selbst als auch mit einem Team, das den Regenbogenkiez abläuft, erreichbar sein. Sie werden durch ihre weißen Jacken und ihren bunten Schlüsselanhänger nicht zu übersehen sein.

Historische Orte und lebendige Stadt

Der Info-Punkt wird dazu beitragen, Wissen und Bewusstsein über die Geschichte und geschichtliche Orte im Regenbogenkiez im Gedächtnis zu bewahren. Diese Geschichte gehört zur Identität des Kiezes. Dazu gehören die so genannten „Goldenen Zwanziger“, sowohl die lebendige LSBT*-Subkulturen, Erich Kästners Emil und die Detektive oder Christopher Isherwoods „Goodbye to Berlin“ auf dessen Grundlage das Musical ‚Cabaret‘ entstand. Dazu gehört der Naziterror, unter dem viele Menschen, die im Regenbogenkiez gelebt haben, verfolgt und ermordet wurden. Gedenkorte und verlegte Stolpersteine erinnern an die ermordeten jüdischen Mitbürger*innen, an Homosexuelle und an Gegner*innen der Nazigewaltherrschaft . Durch den Krieg wurden viele bedeutende Kulturorte in der Region zerstört, die einst den Kiez prägten. Erinnert werden soll auch an die strafrechtliche Verfolgung von homosexuellen Männern in der neuen Bundesrepublik durch den erst 1994 abgeschafften Strafparagraphen 175 oder an die Geschichte von AIDS, die vielen Menschen, die im Regenbogenkiez zu Hause waren, das Leben gekostet hat. Die Geschichten sollen lebendig gehalten und weiter aufgearbeitet werden, um sie auch in Zukunft noch erzählen zu können.

Zur Geschichte zählen mittlerweile auch Feste, Lokale oder Geschäfte, die seit 30, 40 oder 50 Jahren im Kiez ansässig sind. Informiert werden soll ebenso über gegenwärtige Angebote und Engagements von Projekten, Organisationen und Einrichtungen, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen. Der Regenbogenkiez ist ein lebendiger Ort, an dem sich viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen dieser Welt in unterschiedlichen Sprachen mit unterschiedlichen Erfahrungen begegnen. Es geht darum, dass jeder auch nach seiner Façon in Toleranz und in respektvollem Umgang miteinander hier leben darf.